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Gefördert durch die Senatsverwaltung

Lokale Verantwortungsgemeinschaft Bildung

Foto: Heidi Scherm

Von Prof. Dr. Klaus Meisel, Managing Director der Münchner Volkshochschule

Das Forumsthema war in Anlehnung an gängige strategische bildungspolitische Formulierungs- muster gewählt worden, bedurfte deshalb aber auch einer kritischen Reflexion. Die lokale Handlungsebene ist für das kommunale Weiterbildungszentrum in mehrfacher Hinsicht von Bedeutung:

  • Die Volkshochschulen als öffentliche Weiterbildungszentren werden von ihren Gebietskörperschaften getragen.
  • Ergänzend zu einem breiten Angebot der allgemeinen, kulturellen, politischen und beruflichen Bildung reagieren sie mit spezifischen Programmen und Projekten auf die regionalen und kommunalen Bedarfe und Bedürfnisse. Die Herausforderungen der demographischen Entwicklung, des regionalen Arbeitsmarktes oder etwa der Einwanderungsgesellschaft stellen sich in einer ländlichen Region von Mecklenburg-Vorpommern anders als in einem großstädtisch geprägten Berliner Stadtbezirk.
  • Das Politikfeld Bildung erlebt in den letzten Jahren gerade auf der lokalen Ebene einen Bedeutungszuwachs – weil hier auch die Konsequenzen verfehlter Bildungspolitik am direktesten spürbar werden. Nicht zuletzt deshalb engagieren sich die Kommunen zunehmend in Programmen wie „lernende Regionen“ oder „Lernen vor Ort“.

Das besondere Engagement der Kommunen und Kreise darf aber nicht verdecken, dass Bund und Länder im föderalen Bildungssystem in einer besonderen bildungspolitischen und finanziellen Verantwortung für die Weiterentwicklung der Weiterbildung im Rahmen eines Systems des lebenslangen Lernens stehen. Darüber hinaus darf der Gemeinschaftsbegriff nicht den Blick darauf verstellen, dass es um geteilte Verantwortung  (z.B. politische Verantwortung, Finanzierungsverantwortung, Trägerverantwortung, Teilnehmerverantwortung, pädagogische Verantwortung) geht und unterschiedliche Akteure und Partner in Netzwerken in legitimer Weise auch eigene Interessen verfolgen.

Ein „Blick über den Tellerrand“ mit dem Beispiel des Erwachsenenbildungs-Netzwerks der nordischen Länder verdeutlichte eindrucksvoll, wie Weiterbildungsverbände in einer vernetzten Kooperation ihre unterschiedlichen Qualitäten und Ressourcen einbringen und damit das Gesamtsystem der Erwachsenenbildung/Weiterbildung stärken können – unter der Voraussetzung, dass verbandliche Partikularinteressen hinter das gemeinsame Entwicklungsinteresse zurücktreten.  

Auch in der lokalen Netzwerkarbeit können unterschiedliche Ressourcen zum Nutzen der Bürgerinnen und Bürger gebündelt und Doppelstrukturen verhindert werden. Gleichwohl sollte Netzwerkarbeit aber nicht mystifiziert werden. Auch Netzwerkarbeit braucht Ressourcen und verlässliche Partner, setzt also beispielsweise seitens der Volkshochschule eine ausreichende finanzielle Grundförderung voraus. Diese ist u.a. auch die Voraussetzung dafür, in Netzwerken entwickelte Innovationen in nachhaltiges Arbeiten umzusetzen.  

Volkshochschulen sind schon aufgrund ihrer Voraussetzung, mit wenig hauptberuflichem Personal ein breites und vielfältiges Angebot mit freiberuflichem Personal zu realisieren, in der Regel offen für Kooperation und Vernetzung. In vielen Fällen übernehmen sie auch die Moderationsfunktion in Netzwerken.

Vernetzungstendenzen lassen sich in mehrfacher Hinsicht feststellen: Sie engagieren sich besonders ausgeprägt dort, wo es um die Übergänge (z.B. Schule und Beruf)  und Durchlässigkeit (z.B. Beruf und Hochschule) geht und der Einbezug der Erwachsenenbildung (z.B. in der Elternarbeit) auch von anderen Bildungsbereichen  gewünscht wird. Sie vernetzt sich mit anderen Trägern oder Betrieben, um eine notwendige Fachkräfteförderung in der Region zu betrieben, bei der alle Akteure allein überfordert wären. Volkshochschulen arbeiten im Gemeinwesen offensiv auch mit Akteuren anderer Politikfelder zusammen, ohne deren Zusammenwirken die Ziele (z.B. Integration/Inklusion) nicht zu realisieren sind. Eine weitere Variante der Vernetzung liegt bei der stärkeren (auch institutionellen) Zusammenarbeit mit anderen städtischen Kultur- und Bildungseinrichtungen vor – nicht nur um Doppelstrukturen zu vermeiden, sondern um gemeinsame innovative Bildungsinitiativen und alternative Zugänge zu Kultureinrichtungen zu ermöglichen.

Gewarnt wurde aber auch vor einer unreflektierten Entgrenzung der Volkshochschulen in kommunalen Bildungsnetzwerken. Die Volkshochschulen sind die Kompetenzzentren für das erfolgreiche Lernen mit Erwachsenen. Prioritär ist deren Professionalität auch in diesem Feld weiter zu entwickeln. Für andere Akteure werden die Volkshochschulen als Partner besonders dann von Interesse sein, wenn sie eine spezifische Professionalität einbringen können. Je nach kommunalen Bedarfslagen wird sie darüber hinaus ihre pädagogische Professionalität und Dienstleistungs- und Innovationskompetenz bei der Weiterentwicklung der kommunalen Bildungslandschaft bereitstellen. Volkshochschule muss aber als eigenständiger Ort in einer kommunalen Bildungslandschaft identifizierbar bleiben.

Bei den im Forum mitwirkenden Vertreter/innen der Kommunalpolitik konnten sich die Volkshochschulen der bildungspolitischen Unterstützung sicher sein. Die notwendige ständige Aktualisierung der Allgemeinbildung, die Herausforderungen, die sich für Städte und Gemeinden aus der demographischen Entwicklung ergeben, die Erkenntnis, dass Deutschland dauerhaft ein Einwanderungsland bleiben wird – ohne die Beiträge der Volkshochschulen lassen sich diese gesellschaftlichen Herausforderungen nicht bewältigen.

Präsentation zum Vortrag von Antra Carlsen, Koordinatorin des Nordic Network for Adult Learning
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